Streckenabschnitt Hof - Selb-Plößberg - Asch
Streckenabschnitt Hof - Selb-Plößberg - Asch
Streckenabschnitt Hof - Selb-Plößberg - AschDie Bahnstrecke bei WildenauDer Ascher Hauptbahnhof - Ausfahrt Richtung Cheb-EgerDie kleine Bahnbrücke bei WildenauEin Triebwagen der DB AG auf der Brücke bei SchönwaldDer Bahnhof in Selb-PlößbergAbgerissen wurde auch das westliche Stellwerk des Bahnhofs Selb-PlößbergDer Bahnübergang bei ErkersreuthDer Übergabegüterzug aus Eger im Ascher Hauptbahnhof, Selber SeiteSchienenbus 810 in Ás, Bayerischer Bahnhof, Strecke nach HraniceGz mit Holzwagen am EG AschDie Holzstämme werden auf den Lkw verladenTonnen von Holz warten in Asch auf den Transport nach Westen - die Bahn könnte dies erfüllenEin belebter Bahnhof Selb-Plößberg - so kann die Zukunft aussehen!Ein Güterzug in Richtung Selb-Plößberg - Utopie oder ZukunftDemonstration am Grenzübergang 2002

Reaktivierung der
länderverbindenden Strecke
Selb - Plößberg / Asch (Tschechien)

Die Höllentalbahn ist nicht nur als regionale Verbindung äußerst nützlich. Im Zusammenhang mit der ebenfalls brachliegenden, aber noch bestehenden Bahnstrecke von Selb-Plößberg nach Asch in Tschechien stellen diese Bahnlinien weitreichende Ost-West-Verbindungen dar. In einer immer größer werdenden europäischen Gemeinschaft im Zuge der EU-Osterweiterung sind diese Verbindungen immens wichtig!
Weiterhin liegt nun ein Gutachten vor, das eine mögliche Reaktivierung der Strecke betrachtet. Leider sind darin wichtige Details ausgelassen, weswegen an dieser Stelle die Strecke kurz vorgestellt und einige Gesichtspunkte näher beleuchtet werden sollen.

Geschichtlicher Rückblick
Das 7,3 km lange, grenzüberschreitende Teilstück von Selb-Plößberg nach Asch in die Tschechische Republik ist Teil der früheren Hauptstrecke Hof - Eger und verband das nordostbayerischen Hof und die böhmische Stadt Eger. Die Eisenbahnstrecke wurde am 1.11.1865 als bayerische Pachtbahn eröffnet. Der Personenverkehr zwischen Bayern und Böhmen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder aufgenommen. Bald nach Kriegsende wurde dagegen wieder Güterverkehr, der vor allem der Versorgung des Raums Selb/Hof mit Brennstoffen und Rohstoffen aus der CSSR diente, durchgeführt. Richtung Osten wurden fast nur Leerwagen zurückgeführt.
Der Erhalt des Grenzübergangs trotz seiner Nähe zum besser ausgebauten Übergang Schirnding - Cheb hatte in Zeiten des Kalten Krieges zwischen den beiden Machtblöcken hohen politischen Stellenwert und Symbolcharakter. Diese teilweise Durchlässigkeit des eisernen Vorhanges mittels eines intakten Schienenweges nutzte am 11. September 1951 ein ganz besonderer Transport. Der seitdem als Freiheitszug bekannte Dampfzug donnerte ohne Halt durch Asch über die Grenze und nach Selb-Plößberg.
Zur Grenzöffnung am 01.07.1990 erlebte die Strecke hinsichtlich des Personenverkehrs eine Rainessance wobei zu diesem Zeitpunkt noch reger Güterverkehr herrschte. Es pendelte den ganzen Tag ein vollbesetzter tschechischer Triebwagen zwischen Selb-Plößberg und Asch. Am 3. und 4.11. des gleichen Jahres kamen die Dampflokomotiven auf die Strecke zurück. Im Zuge des 125jährigen Streckenjubiläums wurde zwei Tage Dampf gemacht. Eine große Bedeutung für den Güterverkehr erreichte die Strecke 1994. Zwei Wochen lang wurden Güterzüge auf die oberfränkische Nebenstrecke umgeleitet, da der Grenzübergang Bad Brambach umgebaut wurde.
Nach Einstellung des Güterverkehrs zum 28. Mai 1995 erfolgte zum 28. September 1996 die Stilllegung der Infrastruktur.

Status der Bahnstrecken
Die Strecke Hof - Selb Stadt, von der die Ascher Linie abzweigt wurde in den letzten Jahren, wie auch die Strecke Hof - Bad Steben, verbessert und modernisiert. Das fällt besonders bei zwei Brückenbauwerken im Raum Schönwald auf. Außerdem wurde die Strecke auf einem fast zwei Kilometer langen Stück zwischen den Orten Schönwald und Rehau neu trassiert. Die Bahnlinie hätte andernfalls durch den Bau der Autobahn BAB 93 unterbrochen werden müssen. Neu gebaut wurden auch zwei Brücken im Selber Stadtgebiet (Brücke "Hofer Straße" und Brücke "Christian-Höfer-Ring"). Damit ist die Selber Linie rein technisch auf lange Sicht gesichert.
Leider sind im letzten Jahr die zwei Stellwerke in Selb-Plößberg abgerissen worden. Diese Stellwerke wären für eine Weichenbetätigung für die Linie Selb-Plößberg - Asch geeignet gewesen.
Die Vermutung liegt nahe, dass wieder einmal von höchster Stelle "vollendete Tatsachen" geschaffen wurden. Keinesfalls soll jemand auf die Idee kommen, eine Weiche, die von der Hofer Strecke nach Asch abzweigt in so einem Stellwerk stellen zu wollen.
Der Bahnübergang nördlich von Erkersreuth wurde per Hand bedient. Es ist ein leichtes, diesen Bahnübergang fernzusteuern und mit modernen Halbschranken zu versehen. Ein weiterer in der Nähe von Selb-Plößberg gelegener Bahnübergang ist bereits mit Halbschranken versehen und sozusagen "betriebsbereit".
Auf tschechischer Seite findet, im Gegensatz zum DB-Gebiet, noch Güterverkehr auf der Bahnlinie Eger (Cheb) - Asch (Ás) statt. Derzeit dreimal pro Woche verkehrt der Nahgüterzug zum Ascher Bayerischen Bahnhof (ehem. "Reichsbahnhof" DRG). Die weiterführende Linie der einstmals privaten Busterhader Bahn zum Ascher Stadtbahnhof (Ás Mesto) und bis Rossbach (Hranice) wird nur im Personenverkehr bedient. Nur nach Bedarf werden dort aber auch Güter zugestellt.

Chance für die Strecke - Güterverkehr!
Interessant dabei ist, dass die Güterzüge von Cheb überwiegend Holz aus dem Süden nach Asch bringen. Dabei handelt es sich, man höre und staune; meist um Schleifholz für die "Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal" (ZPR) in Blankenstein! Daneben findet auch noch Einzelwagentransport statt.
Das Schleifholz wird in Asch auf Lkw verladen, als regionaler Transport deklariert und fährt über den Grenzübergang Selb - Asch, die BAB 93, B 15 durch ganz Hof, durch die Brucker Senke zur BAB 9 um dann über Blankenberg nach Blankenstein zu gelangen! Weitere Transportwege führen von Asch über den Grenzübergang und dann in den bayerischen Süden zu weiteren holzverarbeitenden Betrieben. Durchschnittlich fahren täglich zwei vollbeladene Lkw´s gen Westen und donnern durch die Grenzorte. Und was zum Nachdenken anregt: Auch in Richtung Tschechien wird Langholz transportiert!

Investitionen
Die Tschechischen Bahnen haben bereits in die Bahnstrecke in den äußersten Zipfel der tschechischen Republik nach Asch investiert und eine neue Brücke gebaut, um die Strecke Cheb - Ás über die Ascher Ortsumgehung zu führen. Eine weitere Brücke wurde in diese Ortsumgehung eingebaut, damit die Verbindung zur Landesgrenze und nach Selb-Plößberg nicht unterbrochen werden muss. Diese Brücken entstanden mit der Unterstützung der Europäischen Union!
Zwei Brücken bedeuten zwar keinen Ausbau der ganzen Strecke, aber die technischen Reserven der Strecke als ehemalige eingleisige Hauptbahn dürften für den herrschenden Nebenbahnbetrieb als auch die Führung einiger Güterzugpaare mehr als ausreichend sein. Die Investition in die Brücken zeigt dass unsere tschechischen Nachbarn an dieser Bahnverbindung in den Nordböhmischen Ascher Zipfel und hinüber zu uns festhalten. Die Tschechei ist in Vorleistung gegangen und hat zwei Brücken gebaut um die Bahn nicht zu gefährden.

Aktuelle Situation
Es ist eigentlich paradox: Tschechien noch gar nicht als EU-Partner im Gespräch war, funktionierte diese Bahn im Güterverkehr sehr gut.
Dann wurde, wohl auf Betreiben der DB im Rahmen der generellen Abschaffung des Nebenbahn-Güterverkehrs, der grenzüberschreitende Güterverkehr beendet! Schon 1996 war dies ein unglaubliches Vorgehen, eine bestehende und funktionierende länderverbindende Strecke einfach stillzulegen. In der Zwischenzeit wurde dennoch beiderseits der Grenze erhebliches investiert und geleistet, um den Schienenverkehr aufrecht erhalten zu können und die Möglichkeit eines erneuten Verkehr über die Grenze zu sichern.
Und heute, nachdem die Tschechische Republik ein EU-Partnerland ist, wollen wir plötzlich die gemeinsame Gangart verlassen und unterbrechen bei uns die verbindende und sogar noch in gutem Zustand erhaltene Strecke?
Soviel partnerschaftliches Verhalten innerhalb der EU findet logischerweise Als kein Verständnis, schon gar nicht bei den neuen EU-Bürgern in der Tschechei! Hier ist ganz klar die Politik gefordert! Besonders im Hinblick auf die erschreckenden Verkehrsprognosen für die nächsten Jahre, müsste dringend eine eindeutige Entscheidung her, die erforderliche Brücke bei Erkersreuth gebaut und die Strecke Plößberg - Asch wieder in Betrieb genommen werden!
Einstmals war dies eine bedeutende Hauptstrecke. Die Größe der Bahnanlagen in Asch lässt noch heute darauf schließen, wenn auch manches außer Betrieb ist. Wir wünschen uns dass sich das bald ändert und bald neues Leben einkehrt!

Reaktivierung aufgrund des Gutachtens?
Am 02.12.2004 fand eine Zusammenkunft von verschiedenen Dienststellen beider europäischer Staaten in Asch statt. Aus zuverlässiger Quelle war zu erfahren, dass das bislang zurückgehaltene Gutachten zur Reaktivierung der Bahnstrecke Plößberg-Asch nun im Umlauf ist.
Das von der EU geförderte über 200 Seiten starke Gutachten ist sehr ausführlich und betrachtet die Möglichkeiten einer Reaktivierung des Streckenabschnitts. Aus unserer Sicht, weist das Gutachten aber entscheidende Fehler auf, die einer möglichen Wiederbelebung im Wege stehen.

Hierzu einige Fakten:

  • Das Gutachten bezieht eine Modernisierung der gesamten Bahnstrecke von Ás nach Cheb mit ein. Somit werden die Sanierungs- und Reaktivierungskosten für den Streckenabschnitt Plößberg - Ás künstlich erhöht.
  • Das Gutachten geht von ausschließlichen Umsteigemöglichkeiten der Linie Plößberg-Asch am gleichen Bahnsteig auf die Linie As-Mesto-Hranice aus. Damit sind gewaltige Umbauarbeiten verbunden, die in die Gesamtkosten natürlich mit eingerechnet sind.
  • Das Gutachten geht aber gleichzeitig von einer möglichen Stilllegung der Linie As - As/Mesto-Hranice aus.
  • Das Gutachten geht von einer Streckensanierung für eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h aus. Diese Geschwindigkeit ist nicht notwendig - das würde die Kosten in die Höhe schnellen lassen.
  • Das Gutachten berechnet ebenfalls die Neubaukosten für neue Haltepunkte "Erkersreuth Nord" und "Wildenau". Ein Neubau von Haltepunkten ist nicht zwingend notwendig.
  • Das Gutachten geht davon aus, dass die Bahnlinie den vorhandenen Busverkehr von Asch nach Selb komplett ersetzen muss. Unseres Erachtens muss eine Reaktivierung nicht notwendigerweise ein Aus für den öffentlichen Nahverkehr bedeuten! Die favorisierte Zug-Relation sollte Cheb-Hof sein, dann ist der Bus "Zubringer".
  • Das Gutachten beleuchtet den Aspekt "Güterverkehr" nur wenig oder gar nicht. Ein grober Fehler, denn der Güterverkehr birgt Chancen!
  • Das Gutachten geht von einem Containerzugverkehr nur bei Nacht aus. Trotz des an Werktagen herrschenden Stundentaktes der Bahnlinie Hof-Selb Stadt ist ein Containerzugverkehr durchaus auch während der Tagesstunden möglich. Probleme, die wegen der fehlenden Ausweichgleise bestehen, sind profan und können gelöst werden.
  • Örtlicher Güterverkehr bzw. überregionaler Verkehr wie beispielsweise der Transport von Schleifholz wird nicht beachtet.
  • Das Gutachten gliedert eine Fahrgastpotentialschätzung anhand des derzeitigen Pkw-Verkehrs und der Streckennutzung von Plößberg nach Asch ohne eine Betrachtung der Gesamtrelation Hof - Selb-Plößberg - Asch - Franzensbad - Eger
  • Das Gutachten nimmt ein Fahrzeugumlauf Cheb - Ás - Selb-Plößberg mit Anbindung nach Selb Stadt an und betrachtet die Durchlaufzüge nach Hof nicht.
  • Das Gutachten bezieht die Neubeschaffung von Fahrzeugen mit ein. Diese Finanzierung würde aber das Eisenbahnverkehrsunternehmen treffen welches den Nachverkehr fährt.

Resümee :

Der Personenverkehr und vor allem auch der Güterverkehr birgt für die Reaktivierung der Bahnstrecke eine echte Chance.
Was in dem Gutachten fehlt ist eine Betrachtung dessen, was für eine wirkliche "Reaktivierung" des nicht betriebenen Abschnitt von Selb-Plößberg nach Asch minimal erforderlich ist und was das kostet.

  • Ein Bahnhofsumbau ist nicht notwendig!
    • Zum angedachten Umbau von 1/3 des Ascher Bayr. Bahnhofs ist anzumerken, dass der Fußweg durch oder um das Empfangsgebäude ca. 100 Meter beträgt. Die bestehenden behindertengerechte Anlagen könnten getrost belassen und genutzt werden. Zwischen Ás Hbf und Ás-Mesto - Hranice kann ein einzelner Triebwagen pendeln. Das Umsteigen ist wohl zumutbar und ein Umbau des Bahnhofs und der Neubau eines Inselbahnsteigs ist sicher zunächst nicht notwendig.
  • Wir plädieren dafür, den Personenverkehr mit geringsten Mitteln erst einmal in Gang zu bringen.
    • Eine Ausrichtung auf den Regionalverkehr Hof - As - Cheb wäre erforderlich, im Falle eines erforderlichen Umsteigens in Selb- Plößberg ist wohl mit reduzierter Fahrgastzahl zu rechnen, obwohl es natürlich eine Möglichkeit wäre, dass die CD bis Plößberg fährt.
  • Güter auf die Bahn!
    • Der Güterverkehr ist in dem Gutachten nicht beachtet worden - das ist ein grober Fehler, denn gerade der Transport von Gütern birgt eine reelle Chance für die Bahnstrecke! Parteien aller politischer Couleur fordern "Güter auf die Schiene" - jetzt kann dies Realität werden. Güter sind nachweislich vorhanden, man denke nur an die Holztransporte die Tag für Tag über die Straße donnern.
  • Streckenhöchstgeschwindigkeit auf den aktuellen 70 km/h belassen!
    • Die weiterführenden Maßnahmen wie Anhebung der Streckenhöchstgeschwindigkeit (aktuell = 70 km/h!), Verbesserung des Streckenteils As - Cheb stellt eine zweite, andere Maßnahme dar und betrifft tschechische Interna. Diese weiterführenden Ausbaumaßnahmen lassen sich bei Erfolg der Wiederaufnahme des Personenverkehrs leichter durchsetzen und können das Ergebnis sicher nur noch positiv beeinflussen.
  • Betrachtung der Gesamtrelation Hof - Eger!
    • Bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung und einer Betrachtung der Nachhaltigkeit muss die Bahnstrecke Plößberg - Asch in der Gesamtrelation Hof-Eger logischerweise gesehen werden. Die Strecke darf nicht "totgeredet" werden, nur weil ausschließlich ein kleiner Streckenabschnitt betrachtet wird. Der gute Streckenzustand in Bayern wie auch in Tschechien kann die Reaktivierung für eine vergleichsweise geringe Summe erreicht werden und ist leicht durchführbar!

Aus Asch war zu erfahren dass die Tschechische Seite bereits einen Antrag auf Wiederinbetriebnahme beim zuständigen Bundesministerium in Prag gestellt hat. Da unsere tschechischen Nachbarn diese Linie unbedingt wollen, liegt bereits ein unterschriftsreifer Vertrag bei dem dort zuständigen Minister im Schreibtisch.
Man wartet also nur noch auf die Bayerische Seite die jetzt gefordert ist nicht nur Versprechungen zu machen! Der nächste Schritt sollte sein dass in Bayern ebenfalls ein Antrag auf Wiederinbetriebnahme an das Wirtschaftsministerium gestellt wird. Dann könnte doch mit überschaubarem Aufwand bald wieder Verkehr auf der Bahnstrecke herrschen und so die Straße entlastet werden.

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