Geschichte der Bw-Ast Selb Stadt
Schon mit dem Bau der Eisenbahn von Selb-Plößberg (Anschluss an die Hauptbahn Hof - Eger) hinab in das Selber Becken bis nach "Selb untere Stadt" wurde in den Jahren 1893/94 ein erster Lokschuppen errichtet: ein zweiständiges Maschinenhaus mit Wohnanbau und vorgelagerten Behandlungsanlagen. Der aus Bruchsteinen gemauerte erste Selber Lokschuppen steht noch heute und zeugt von den Anfängen der Eisenbahn in Selb. Er dient seit einigen Jahren als Domizil einer Werbeagentur.
Eingesetzt wurden in den Anfangsjahren des letzten Jahrhunderts die bayerischen Lokalbahnmaschinen der Typen D IIII, D IV und D VII (spätere DRG 986-8, 984-5 und 9876).
Doch bereits im Jahre 1914 wurde dieser Lokbahnhof überflüssig. Denn mit dem Bau der Nebenbahn von Selb nach Holenbrunn ging eine umfassende Umgestaltung der Selber Bahnanlagen einher. So wurde die Strecke nach "Selb untere Stadt" bis Anfangs der 20er Jahre demontiert und große Teile der Trasse gingen in der neuen Flügelbahn zu den Industriebetrieben auf.
Parallel dazu wurde ein zweiter Lokschuppen am westlichen Ende des neugebauten Bahnhofes Selb Stadt errichtet. Dieser Lokschuppen bestand aus drei Ständen mit 14,5 m Nutzlänge, eine Drehscheibe mit 7,5 m Länge und einem Anbau in dem sich Übernachtungsmöglichkeiten, eine Werkstatt und Sozialräume befanden.
Der Lokschuppen ging zusammen mit der neuen Bahnlinie am 1. Mai 1914 in Betrieb, das alte zweiständige Maschinenhaus am heutigen Grafenmühlweiher wurde stillgelegt aber nicht abgebrochen. Bereits kurz nach der Inbetriebnahme wurden Erweiterungen notwendig. So wurde die Drehscheibe auf 12 m und schließlich im Jahre 1931 auf die bis heute vorhandenen 16 m vergrößert. Auch erhielt der Lokschuppen um 1919/18 einen vierten Lokstand. Zwei Nebengebäude als Lagerräume komplettierten die Anlage.
Die Behandlungsanlagen bestanden aus einer Schlackengrube, einem Wasserkran, einem Schrägaufzug für die Bekohlung und einer Kohleladebühne.
Neue Gesichter erschienen in den 30er Jahren: die bayerische GtL 4/4 ( DRG 9810 und 9811) und auch ab und an im Rahmen von Sonderleistungen die Einheitstenderloks der BR 64 und 86.
Und Ende der 30 Jahre gab es den ersten Strukturwandel in der Zugförderung: Mit der Stationierung der Dieseltriebwagen der BR VT 133 und VT 135 beim Bw Hof wurden in einige dieser Triebwagen auch von Selb aus eingesetzt und Züge vor allem auf der Nebenbahn nach Holenbrunn in Tagesrandlagen "verdieselt".
Seit dieser Zeit werden die Stände 3 und 4 des Lokschuppens auch als "VT-Schuppen" bezeichnet.
Den 2. Weltkrieg überlebte der Lokschuppen unbeschadet. Mit der Vertreibung der deutschstämmigen Bevölkerung aus dem Sudetenland kam es zu einem großen Flüchtlingsstrom und infolgedessen zu einer Verknappung von Wohnraum. So wurde auch einige Flüchtlinge im Wohnanbau des Lokschuppens einquartiert.
Auch nach dem Kriegsende änderte sich am Betriebsmaschinendienst zunächst nur wenig. Die GtL 4/4 prägten das Bild auf der Holenbrunner Strecke. Aufgrund des starken Rangierbetriebs wurde zusätzlich ein bayerische R3/3 in Selb stationiert. Die rasant fortschreitende Verdieselung machte auch vor der Eisenbahn in Selb nicht halt und so kamen neben den Triebwagen VT 135 auch die Schienenbusse VT 95 und dann die Strecken- und Rangierdieselloks der Reihen V60 und V100 nach Selb. Eigens dafür wurde im Bahnhofsbereich (direkt gegenüber des Empfangsgebäudes) eine Dieseltankstelle mit Erdtank und zwei Zapfsäulen errichtet. Mitte der 60er Jahre wurde mit der Köf 11 245 (heute Werklok bei DB Regio Oberfranken im Bw Hof) eine Kleinlok der Leistungsgruppe 3 in Selb stationiert und versah seit dem den Rangierdienst im Bf. Selb Stadt und auf den umfangreichen Gleisanschlüssen im Stadtgebiet.
Die Dampfära ging endgültig mit der 50 281 vom Bw Hof zu Ende die am 26. Mai 1974 letztmalig einen Güterzug nach Hof beförderte.
Und auch die Bw-Außenstelle wurde nicht mehr gebraucht. Nach der Aufhebung 1976 zog noch für 5 Jahre die eine Außenstelle der Signalmeisterei in die Räume ein ehe diese auch aufgelöst und nach Rehau verlagert wurde.
Die Köf 3 blieb noch bis 1984 in Selb stationiert ehe auch sie abgezogen wurde. Die anfallenden Rangierarbeiten wurden seitdem von der Zuglok des Übergabe-Zuges erledigt.
Der Lokschuppen wird seit 1976 vom Modell- und Eisenbahnclub Selb-Rehau erhalten, in den Anfangsjahren des Vereins zunächst nur angemietet ehe sich im Jahr 2002 die Möglichkeit eines Kaufs ergab. Eine anschließende umfangreiche Sanierung lässt seit 2005 den Lokschuppen, das ebenfalls in Vereinseigentum befindliche Stellwerk und das dazugehörige Gelände in neuem Glanz erstrahlen. Ein regionales Eisenbahnmuseum befindet sich derzeit im Aufbau.

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